Wer pflegt die Zwangskämmerlinge?

 

Klingt diese Frage provokant oder möglicherweise sogar unverschämt? Im ersten Moment schon, aber es hat einen ernsten Hintergrund.


Als mir die Frage das erste Mal gestellt wurde, war ich nicht sicher, ob es ernst gemeint war. Bei längerer Betrachtung wurde mir immer deutlicher, dass hier tatsächlich ein ernsthaftes Risiko nicht nur für demokratisch orientierte Pflegekräfte besteht, sondern für jede Pflegekraft. Die Frage ist sogar sehr berechtigt und sie kann existenziell werden. Auch einige Personalvertreter, mit denen ich mich unterhalten habe, sehen das als ein realistisch werdendes Problem.

 

Sciherheitshinweis für Pflegepersonal



Kammern haben eine Berufsaufsicht und sind eine Art Zulassungsstelle zum Beruf. Sie können bei Pflegefehlern oder unpassendem Verhalten mit Sanktionen gegen die Pflegekräfte vorgehen. Dabei bedarf es keines Straf- oder Zivilrechtlichen Verfahrens. Die Pflegekammern können das auch aus eigenem Antrieb und in eigener Regie machen. Wer als demokratisch orientierte Pflegekraft dieser Kammer kritisch gegenübersteht, lebt mit dem Risiko, dass man ihm das Leben per Berufsaufsicht schwer machen kann. Dabei muss es nicht einmal zu einem richtigen Verfahren kommen. Alleine das Anschwärzen oder die Behauptung einen Fehler oder eine Nachlässigkeit begangen zu haben reicht aus, um einen bleibenden Schaden in der Reputation der betroffenen Person zu hinterlassen.

Was bedeutet das nun für Pflegekräfte die den Kammern kritisch gegenüberstehen?

Kommen Kammerunterstützer oder Kammerbeschäftigte als Patienten auf Station oder in die Einrichtung, dann gehören sie wie alle anderen zu den Personen, die gepflegt und versorgt werden müssen. Stehe ich jetzt aber in einem Streit mit der Kammer oder ich habe mich einfach nur offen als Kritiker dieses Zwangssystems zu erkennen gegeben, dann soll ich plötzlich eine Dienstleistung an einer Person der »gegnerischen Partei« erbringen. Letztendlich bin ich jemand, der dessen aus Zwangsgeldern finanzierten Luxusposten und/oder seine persönliche Profilierungseinrichtung infrage stellt. Da diese Person einer Einrichtung angehört die auch die Berufsgerichtsbarkeit über mich ausübt, habe ich ein existenzielles Problem. Eine negative Aussage dieser Person über mich oder einfach der Vorwurf dieser Person – wie auch immer – ihr geschadet zu haben, kann mich beruflich ernsthaft in Misskredit bringen. Dabei spielt es keine Rolle, ob sich diese Behauptung hinterher als wahr oder unwahr herausstellt. Es bleibt immer etwas hängen.

 

Jetzt wird natürlich gleich bestritten, dass Kämmerlinge so etwas jemals machen würden. Schaut man sich an, mit welcher Skrupellosigkeit diese Leute gegen die Pflegekräfte vorgehen, wenn es um das Durchsetzen ihrer Vorteile geht, dann würde ich mich darauf besser nicht verlassen. Jemand der sich ein Gesetz schreiben lässt, damit er sich an dem sauer verdienten Geld der eigenen Kolleginnen und Kollegen (die Bezeichnungen sind hier eigentlich nicht mehr richtig) bereichern kann, der wird keinerlei moralische Bedenken haben, seine Macht auch hier rücksichtslos auszunutzen.

Dazu kommt noch, dass viele aus der Ebene der Vorgesetzten zu den Zwangskammern und deren Unterstützern gehören. Nachdem in Rheinland-Pfalz bereits Pflegekräfte zum Gespräch mit ihren Vorgesetzten eingeladen wurden, weil sie in ihrer Freizeit an einer angemeldeten kammerkritischen Demonstration teilgenommen haben, sollte man Kämmerlingen und deren politischen Unterstützern alles entgegenbringen, nur kein Vertrauen.

Wie käme man aus dieser Situation heraus?

Voraussetzung ist natürlich, dass man überhaupt weiß, um wen es sich da auf Station handelt. Es dauert allerdings meistens nicht lange, bis es sich herumgesprochen hat, wen man sich da auf Station eingefangen hat. Irgendwann kommt es immer heraus, welche Funktion eine Patient im Beruf oder sonst im Leben hat.

Die Pflege auch dieser Personen kann vom Arbeitgeber angeordnet werden. Das einfach abzulehnen wäre Arbeitsverweigerung. Soweit ist die Situation eindeutig. Sicherlich kann man innerhalb der Belegschaft die Aufgaben so verteilen, dass man für diese Person einfach nicht zuständig ist. Wenn es sich aber herumspricht, wer das ist, dann dürften auch die anderen Kolleginnen und Kollegen genauso wenig Interesse haben diese Person zu versorgen.

Im Zweifel kann man betroffenen Pflegekräften nur empfehlen, sofort die Personalvertreter einzuschalten. Hier muss zusammen eine Lösung für das Problem gefunden werden. Eine Alternative wäre, niemals alleine die Pflege oder Versorgung dieser Person zu übernehmen und den Kontakt so kurz und distanziert wie möglich zu halten. Mit einem Zeugen ist es leichter sich gegen evtl. Anschuldigungen zu wehren. Vertrauen ist gut, Zeugen sind besser. Das wiederum erhöht den Personalaufwand und die Koordinationsaufgaben der Station.

Die andere Möglichkeit wäre, nur »Kammertollfinder« mit der Pflege zu beauftragen. Ob man von denen so viele beim eigentlichen Pflegepersonal findet, muss jede Einrichtung selbst herausfinden. Gut, es würde sicher Spaß machen, Pflegewissenschaftlern und Pflegemanagern beim Pflegen und Versorgen zuzusehen … zumindest wenn es einen selbst nicht betrifft.

Dass eine solche Situation auch für die Kämmerlinge oder politische Kammerunterstützer nicht angenehm ist, kann ich nachvollziehen. Der Begriff »Risiko Krankheit« bekommt da eine ganz andere Bedeutung. Auch ich würde mich nicht wohlfühlen, wenn ich nicht wüsste, was sich hinter dem Dienstlächeln verbirgt oder wenn ich genau wüsste, dass ich ausgerechnet auf die Hilfe meiner »Opfer« angewiesen bin. Rücksicht würde ich als Pflegekraft darauf nicht nehmen. Es ginge um meine Existenz. Die Kämmerlinge oder ihre politischen Gönner haben sich eigenverantwortlich in diese Situation gebracht. Für diese Personen braucht man da kein Mitleid.

Auch wenn ich hier mit einem etwas sarkastischen Unterton schreibe, so ist die hier gestellte Frage ein Problem mit dem sich Personalvertreter und Verantwortliche frühzeitig auseinandersetzen sollten. Bevor sich der Krankenstand »unerklärlicherweise« erhöht. Ich persönlich möchte nicht in die Situation kommen, mich um Kämmerlinge oder deren politischen Unterstützer kümmern zu müssen.

 

Klingeln zwecklos


Ganz ehrliche Worte dazu? Gerne:

 

Nein, für diese Personen habe ich meinen Beruf nicht gelernt und ist mir meine Arbeitskraft zu schade. Ich erwarte von keinem mir anvertrauten Menschen irgendwelche Dankbarkeit und es ist mir normalerweise egal, was er sonst so im Leben treibt. Aber jemand der den eigenen Berufsstand verrät, indem er sich von der Politik ein Gesetz schreiben lässt, um unter Androhung juristischer Übergriffe das sauer verdiente Geld der eigenen »Kolleginnen und Kollegen« zu enteignen, und diese dann auch noch reglementieren und sanktionieren will, für den habe ich nicht einmal Verachtung übrig.

Das dürfte auch erklären, warum es in berufsständigen Kammern immer so "harmonisch" zugeht. Wer von einer solchen "Zulassungsstelle" oder von einer solchen Verwaltung existenziell abhängig ist, der wird es sich genau überlegen, ob er sich offen kritisch zu dieser Organisation positioniert. Ein wunderbarer Maulkorb und die »demokratischen« Politiker, quer durch alle Parteien dieses Landes, applaudieren dazu. Warum wird denen das wohl gefallen, wenn ein Berufsstand der eines der größten politischen Probleme beherbergt, auf diese Weise elegant ruhiggestellt wird?