Pflegekammer greift die Gewerkschaft an

 

Geht es wirklich um die Interessen der angestellten Pflegekräfte? Die Pflegekämmerlinge wollen wohl die unbequemen Gewerkschaften loswerden und haben keinen Skrupel dafür den eigenen Berufsstand an die Gegenseite zu verkaufen. Unter den kritischen Pflegekräften fallen Begriffe wie "Gleichschaltung" und "Arbeitgebernahe Scheingewerkschaft".

 

Pflegekammer kontra verdi

 

In Rheinland-Pfalz lassen die Kämmerlinge endgültig erkennen welches Ziel sie haben, indem sie rechtlich höchst fragwürdig die Gründung einer eigenen Pflegegewerkschaft fordern. Entweder wird verdi zu lästig, weil man dort nicht nach der Nase der Kämmerlinge tanzt oder es stecken noch ganz andere Interessen dahinter. Versucht man hier die Gewerkschaften gleichzuschalten und auf Kammerlinie zu bringen? Warum sonst sollte man funktionierende Strukturen torpedieren und versuchen diese durch eigene zu ersetzen? Das die Kämmerlinge sich zu diesem Thema überhaupt nicht äußern dürfen, wird von diesen in ihrer allumfassenden Arroganz ignoriert.

 

Beim Thema Pflegekammer betteln die Kammerunterstützer bzw. die bereits existierenden Zwangskämmerlinge immer wieder nach einer Unterstützung durch die Gewerkschaften. Aber warum eigentlich? Schließlich sind ihnen 100% der exam. Pflegekräfte zugewiesen und die Verwaltungskräfte werden nicht Müde sich immer auf ihr angebliches Mandat durch die Pflegekräfte zu berufen. Die Kämmerlinge spielen sich als gottgleiche Heilsbringer der Pflegekräfte auf. Warum schreien diese so unersetzlichen Koryphäen der künstlich geschaffenen Pflegezwangsverwaltung nach eine Organisation, in der nur Schätzungsweise 10-20% der exam. Pflegekräfte organisiert sind?

 

Die Kämmerlinge haben ein Problem über das sie nicht gerne sprechen und das sie mit allen Mitteln kaschieren wollen: Bei den entschiedenen Themen der exam. Pflegekräfte spielen sie einfach keine Rolle. Lohn und Gehalt, Arbeitsbedingungen, die Situation in den Einrichtungen, fehlender Berufsnachwuchs usw. sind nicht Thema einer Pflegekammer. Also alles das was für die Attraktivität der Pflegeberufe entscheidend ist und die exam. Pflegekräfte am meisten umtreibt. Wen interessiert es denn, wie eine Kammmerschreibkraft ihre Akten abstaubt? Kammern sind Verwaltungen und dürfen Akten sortieren, Dokumente abstempeln und dank ihrer politischen Freunde Zwangsgelder von ihren Opfern abkassieren. Damit enden die Kernaufgaben einer Kammer. Das steht so in den Heilberufegesetzen. Damit kann man dem bunten Reigen der Geltungssucht der Zwangskämmerlinge natürlich nicht gerecht werden. Entsprechend … sagen wir ... desinteressiert sind die meisten Pflegekräfte an solch einer Selbstverwaltung die sich in erster Linie selbst verwaltet. Dazu kommt noch, dass die Gewerkschaften sich meistens gegen diese Kostenfaktoren in den Kammern positioniert haben. Das ist natürlich besonders lästig. Denn im Gegensatz zu den Kammern sind die Gewerkschaften von ihren Mitgliedern beauftragt und legitimiert. Die Kammern gibt es nur dank ihrer politischen Postenbeschaffer. Alles in allem eine unbefriedigende Situation aus Sicht der Kämmerlinge.

 

Die Kammern brauchen die Gewerkschaften, weil sie bei den entscheidenden Themen nichts zu melden haben und als politisch angeordnete Zwangseinrichtung auch gar nicht dürfen. So kann man natürlich keine Erfolge generieren. Pech nur, zur Erfüllung der Aufgaben der Gewerkschaften braucht man keine Kammern. Denn Gewerkschaften haben von den Kammern keinen Vorteil oder einen Mehrwert und Nutzen für die eigenen Mitglieder.

 

Wenn jetzt der »Nebenberufspräsident« der Pfälzer Pflegezwangskammer die Gründung einer eigenen Pflegegewerkschaft fordert, dann liegt hier eine Aufgabenüberschreitung und ein Verstoß gegen das Neutralitätsgebot der Kammern nahe. Den Kammern sind zwangsläufig lohnabhängig Angestellte wie auch teilweise Arbeitgeber zugewiesen. Da wird sich bei diesen Themen sicher kein »Gesamtinteresse« finden. Im Gegenteil, da stehen sich Interessen direkt gegenüber. Sofern man überhaupt die Interessen der angestellten Pflegekräfte im Auge hat. Zudem verstößt eine solche Initiative gegen die Tarifautonomie. Laut Tarifvertragsgesetz §2 gehören zu den Tarifparteien Arbeitgebervertreter und Gewerkschaften. Die Parteien im Bereich der Tarifgestaltung sind gesetzlich vorgegeben. Die aus Zwangsbeiträgen finanzierten Verwaltungskräfte der Kammern gehören nicht dazu. Kammern haben den den Beruf intern zu verwalten. Sonst nichts. Auch wenn die wirtschaftlichen Belange als Grundlage des Handelns irgendwo im Heilberufsgesetz erwähnt sind, so ist das kein Freibrief die gesetzlich festgelegten Aufgaben zu überschreiten und sich zu Themen außerhalb des im Heilberufsgetz definierten Aufgabenbereiches zu äußern. Schon gar nicht, wenn das Thema nichts mit der Berufsverwaltung zu tun hat. Berufsinterne Verwaltungsvorgänge haben nichts mit den Arbeitsbedingungen der Betroffenen zu tun. Das ist Privatsache der Vertragsparteien. Eine aktive Parteiergreifung für die politisch zugewiesenen Betroffenen ist grundsätzlich nicht die Aufgabe einer staatlich angeordneten Zwangsvereinigung.

 

Mit diesem Vorstoß lässt der oberste Kämmerling endgültig seine Maske fallen. Als Pflegedirektor eines katholischen Krankenhauses ist er definitiv ein Arbeitgebervertreter. Da kann er noch so oft versuchen sich als »ganz normale Pflegekraft« einzuschmeicheln. Diese peinlichen Balzversuche mögen bestenfalls für den Wahlkampf seiner politischen Postenbeschaffer nützlich sein. Mit der Forderung nach einer eigenen Gewerkschaft bestätigt er, dass die Zwangskammer in erster Linie eine für die Pflegekräfte nutzloses »Sanatorium für Pflegewichtigtuer« ist. Warum sonst bräuchte er eine eigene Gewerkschaft welche die Arbeit macht?

Geht es bei einer solchen Gewerkschaft um ganz andere Dinge als die Interessen der angestellten Pflegekräfte?

 

Wollten die göttlichen Heilsbringer der Pflegeverwaltung nicht den Pflegeberuf in himmlische Sphären heben? Was haben sie auf die ach so nutzlosen und trägen Gewerkschaften geschimpft, die sich nicht für die Pflegeberufe einsetzen würden. Und jetzt? Was interessiert mich mein Geschwätz von Gestern und schnell eine 180-Grad-Wende hingelegt. Außerdem, warum soll man sich mit einer kammerkritischen Gewerkschaft wie verdi herumgeschlagen, wenn man mit einer eigenen Gewerkschaft die Arbeitnehmervertreter auf die eigene Linie bringen kann?

 

Interessant, dass sich die pfälzer Kämmerlinge gleich mit dem Marburger Bund (Gewerkschaft der angestellten Ärzte) und den Ärztekammern verbünden. Statt wie sie es gerne formulieren »auf Augenhöhe« zu verhandeln wird gemeinsame Sache gemacht. Den Marburger Bund wird es freuen, wenn er die Pflegekräfte dazubekommt, denn durch das Tarifeinheitsgesetz sieht er sich in seiner Verhandlungsposition geschwächt.

 

Der Vorsitzende des Marburger Bundes, Rudolf Henke ist gleichzeitig CDU-Bundestagsabgeordneter und begrüßt (Überraschung!) genau diese Bestrebungen der Pflegekämmerlinge. Ein Parteisoldat an der Spitze einer Gewerkschaft. Politische Kontrolle in Reinstform. Da darf es einem zu Recht gruseln und man muss die Frage stellen, wer da eigentlich gewählt hat. Wer bei dessen Forderungen Überraschung heuchelt, muss ein guter Schauspieler sein. Die Aktivitäten des Marburger Bundes auf die Pflege ausweiten? Besser kann man die exam. Pflegekräfte nicht unter Kontrolle bringen. Gerade von ärztlicher Seite. Ausgerechnet von einem Bundestagsabgeordneten – und da spielt die Partei keinerlei Rolle – der genau zu den Personen gehört, die seit Jahrzehnten die Pflege in Deutschland erfolgreich an die Wand gefahren haben, kommt eine solche Forderung.

 

Kammern und Gewerkschaften haben sich aufgrund ihrer unterschiedlichen Aufgaben eigentlich nichts zu sagen. Der Marburger Bund wird in Wirklichkeit keinerlei Interesse an einer höheren Bezahlung der Pflegekräfte haben. Schaut man sich die Ausgabenverteilung für den ärztlichen Dienst in Kliniken und die Ausgaben für die Pflege an, dann stellt man fest, das diese fast gleich groß sind. (Quelle Frankfurter allg. Sonntagszeitung vom 20.08.17) Jedes Prozent das die Pflege mehr bekommt muss woanders abgezogen werden. Da die meisten Bereiche in den Kliniken bereits auf das unterste Limit gedrückt wurden, könnte nur an den Kosten für die Ärzte gespart werden. Zu glauben die Kliniken bekommen mehr Geld weil die Gewerkschaften Forderungen stellen ist eher eine Illusion. Im Gegenteil, die Politik setzt aktuell aktiv den Rotstift an. Der Marburger Bund weiß ganz genau, dass er mit seinen Interessen und seiner Klientel die deutlich besser Position hat. Denn hier kommen die Interessen der Klinikbetreiber ins Spiel. Diese haben mehr Interesse an der Zufriedenheit der Ärzte als am Pflegepersonal. Patienten kommen in die Kliniken wegen der ärztlichen Versorgung bzw. wegen eines bestimmten Arztes und nicht weil »Schwester Traudberta so tolle Wadenwickel macht«. Gute Pflege ist zwar deutlich mehr als Wadenwickel, für die PR der Kliniken aber nur im Allgemeinen wichtig. In erster Linie, wenn man nach den aktuellen Skandalen nichts von ihr hört. Sie ist für die Kunden nicht so greifbar und dominant wie ärztliche Tätigkeiten. Daran wird auch die Existenz der Kammerländischen Frohnaturen nichts ändern.

 

Und es wird erkennbar was die Zwangskammern wirklich wollen. Wenn Arbeitgebervertreter eine Gewerkschaft für die eigenen Angestellten einrichten wollen (in RLP sind sechs der neun Kammervorstandsposten von Arbeitgebervertretern besetzt), dann wird klar mit welchen Ambitionen diese Kämmerlinge agieren. Der Verdacht liegt nahe, dass hier versucht wird eine Scheingewerkschaft zu Gründen, so wie es in einigen Branchen gelegentlich üblich ist. Praktisch wenn man sich die bequemste Gewerkschaft zum Verhandeln aussuchen kann und man bei Tarifverhandlungen auf beiden Seiten des Tisches sitzt. So wird dem »Pflegepöbel« die Stimme entzogen. Und lästige Gewerkschaften wie eine kammerkritische verdi werden ausgebootet, damit die Kämmerlinge ungestört ihren Geschäften nachgehen können. Man könnte meinen die Kämmerlinge haben sich das bei totalitären Regimen abgeschaut, die Kritiker einfach aus dem Weg räumen, indem sie diese durch eigene Meinungsgleichschaltende Organisationen ersetzen.

 

Theoretisch müsste jede Pflegekraft erkennen was hier gespielt wird. Meinen Sorge ist jedoch, es wird genug Pflegekräfte geben die darauf reinfallen und diese Nummer unterstützen. Das wiederum spräche nicht gerade für den eigenen Berufsstand. Leider ein Umstand an den ich mich inzwischen schon bitter gewöhnen musste.

 

Da die Rechtsaufsicht aus mannigfaltigen Gründen wie üblich schlafen wird, bleibt nur zu hoffen, das die Interventionen von aufmerksamen Pflegekräften Früchte tragen und auch die Gewerkschaften einmal gründlich überprüfen, was da so gegen sie läuft.