Kommentar: Pflegekammer Rheinland-Pfalz. Die ersten Preise sickern durch

 

»Frau Gierschlund und Herr Raffke von der Pflegekammer zeigen ihr wahres Gesicht.«

 

Dieser Kommentar bezieht sich auf den dazugehörigen Artikel auf www.bffk.de

 

Abzocke

 

Als die ersten Gerüchte um die Pflegezwangskammern aufkamen, waren viele ziemlich sauer und haben vorausgesagt, dass es sich dabei nur um »Schmarotzer«, »Parasiten« und »Abzocker« usw. handelt. Gescheiterte Pflegefunktionäre, an denen die echten Pflegekräfte kein Interesse hatten, wollen sich jetzt auf deren Kosten »durchfüttern« lassen und profilieren.

 

Das rief gleich die berufsbetroffenen Zwangskammertollfinder auf den Plan, die sich darüber maximal echauffiert hatten. So etwas könne man doch nicht sagen, das würde doch nicht der Wahrheit entsprechen. Kritische Stimmen und Beiträge in den Internetforen wurden gerne mal gelöscht oder blockiert. Jeder der Zweifel an der Sinnhaftigkeit einer solchen Kammer hatte, wurde als Berufsstandschädling in die Ecke gestellt. Nur weil in anderen Kammern diese Methoden üblich sind, kann eine Pflegekammer ja alles besser machen. Wir sind ja die Gutmenschen und wollen nur das Beste für den Berufsstand.

Bei der Erinnerung an diese Worte, die ich mir sogar live anhören musste, bluten mir heute noch die Ohren.

 

Und jetzt haben wir 2016. Die Politik hat mit systematischer Gewalt gegen die Pflegekräfte diese Zwangseinrichtung installiert. Was ist das Ergebnis?

 

Die Voraussagen haben sich alle bestätigt.

 

Bei den Aufwandsentschädigungen wird nicht gekleckert, sondern geklotzt. Sparsamkeit oder Maßhalten ist nicht angesagt. Die Personen, die versprochen haben alles besser machen zu wollen, orientieren sich plötzlich doch an den Methoden der anderen Kammern. Die Taschen kann man jetzt aufhalten, die Opfer können sich nicht mehr wehren. Schließlich hat man den gesetzlichen Freibrief diese notfalls juristisch niederzuknüppeln. Bei den Aufwandsentschädigungen kommt im Jahr eine schöne Summe zusammen. Eine Summe, von der viele Pflegekräfte bezogen auf ihr Gehalt, nur träumen können.

 

Die Pfälzer Kammer hat Zwangsbeitragssätze beschlossen, welche die unteren Einkommensgruppen am höchsten belasten. Die oberen Einkommensgruppen erhalten die niedrigsten Einstufungen oder werden gleich gedeckelt. Gerade die geringfügig beschäftigten Kräfte werden maximal belastet, die Teilzeitkräfte, bzw. die Kräfte mit den schlechtesten Arbeitsverträgen zahlen prozentual die höchsten Beitragssätze. Und gerade die sind es, die bei den Folgekosten die höchsten Eigenanteile haben werden. Jemand der nur stundenweise die Woche arbeitet oder aushilft, dem kann der Arbeitgeber nicht auch noch die Pflichtfortbildungen o.ä. bezahlen.

Die Teilzeitkräfte und die geringfügig Beschäftigten sind auch die flexibelsten Arbeitnehmer, welche die Spitzen abdecken und dann da sind, wenn die Vollzeitkräfte ausfallen. Gerade diese flexiblen Kräfte halten in vielen Bereichen das System am Leben. Dafür werden sie jetzt auch noch bestraft.

Für die Vollzeitkräfte hat man einen Tarif angesetzt, der in den meisten Fällen knapp unter der psychologisch wichtigen Schwelle von zehn Euro/Monat sitzt. Zumindest jetzt noch. Denn die Kammer hat noch nicht begonnen Geld auszugeben.

 

Am geringsten werden die Personen belastet, die von der Gehaltsklasse her gar nicht mehr in der Pflege arbeiten und im Büro sitzen. Schaut man sich an, wer die lukrativen Kammerposten besetzt, dann findet man dort genau diese Personen. Die Personen, welche die höchsten Gehälter haben, sitzen in den Gremien und gönnen sich bei ihren Meetings die »Lachshäppchen«, kassieren dabei reichlich die aus Zwangsgeldern finanzierten Aufwandsentschädigungen und genehmigen sich selbst die anteilig geringsten Beitragssätze.

 

Statt ein gerechtes, auf ein mit einheitlichem Prozentsatz aufgebautes Abgabensystem zu setzen, hat man die Beiträge in sieben Klassen abgestuft. Zum Schaden der eigentlichen Pflegekräfte. Link zum Vergleich der Beitragssysteme.

 

Und die echten Pflegekräfte müssen diesen Freizeitfunktionären und Feierabendabgeordneten ihr Hobby finanzieren, wenn sie Parlament spielen. Fairness und Anstand sind für die dominierenden Zwangskämmerlinge ein unbekannter Charakterzug. Daran wird sich auch nichts ändern, sollten sie einmal aus diplomatischen Gründen zurückrudern müssen.

 

In der Vollversammlung sind die Vertreter der Gewerkschaft ver.di die zweitgrößte Gruppe. Trotzdem hat man ihnen nicht ein einziges Amt übertragen. Die Leute, welche sich für die eigentlichen Pflegekräfte draußen einsetzen und demokratisch legitimierte Vertreter sind, wurden von den Zwangskämmerlingen ausgebootet. Ausgerechnet von den Leuten, die behauptet haben, sie wollen mit der Zwangskammer die Interessen der exam. Pflegekräfte stärken und den Berufsstand verbessern. Nicht einmal diesen Funken von Anstand haben diese Zwangskämmerlinge aufgebracht.

 

Alle negativen Voraussagen haben sich bewahrheitet. Bezeichnet man diese Zwangskämmerlinge als Berufsstandschädlinge, dann empfinde ich dies als eine absolut zutreffende, wenn auch sehr milde Umschreibung.

 

Keiner, der diese Zwangskammern fordert, kein Politiker kann sich jetzt mehr herausreden. Überall wo diese Kammern ebenfalls installiert werden sollen, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg usw. sind genau diese Personen am Werk. Jeder, der sich für eine Pflegezwangskammer starkmacht und dieser zustimmt, will bewusst und vorsätzlich den exam. Pflegekräften diesen Schaden zufügen und sie diesen Personen ausliefern. Wie man damit den Berufsstand attraktiver machen will, ist mit gesundem Menschenverstand nicht nachvollziehbar.