Kommentar: 150 Unterschriften

 

Das ist ja mal wieder sportlich, was sich die Zwangskämmerlinge in Rheinland-Pfalz da ausgedacht haben. Wer sich zur Wahl in die Vollversammlung aufstellen lassen möchte, muss mindesten 150 Unterstützerunterschriften bringen. Da darf man schon fragen, wie man diese eigentlich zusammenbekommen soll? In vielen Einrichtungen arbeiten gar nicht so viele Pflegekräfte. Und die, die dort arbeiten, müssen ja nicht unbedingt dafür unterschreiben. Im Gegenteil, wer eine Zwangsgeld eintreibende Bürokratentruppe unterstützt, wird sich im Kreise der Kolleginnen und Kollegen nicht beliebt machen.

Wie in aller Welt soll man denn in anderen Unternehmen auf Stimmensammlung gehen? Wenn der eigene Pflegedienst gerade einmal 10 Personen beschäftigt, dann darf man sich noch nach mindestens 140 weiteren Stimmen irgendwo innerhalb des Bundeslandes umsehen. Sehr realistisch.

Das lässt doch den Verdacht aufkommen, das man den gemeinen Pflegepöbel gar nicht im Abnickgremium Vollversammlung haben will. Da könnten ja Ideen kommen, welche den Kammerinitiatoren gar nicht schmecken und die sie ihren politischen Freunden nicht so einfach verkaufen können. Oder noch schlimmer: Jemand hat eine andere, ja sogar eine eigene Meinung, als die der sich so unglaublich wichtig empfindenden Pflegekammerschreibkräfte. Oder die von Gott gegebene Wichtigkeit der Kämmerlinge könnte angezweifelt werden. Etwas das z.B. Geld kostet oder den politischen Lobbyisten nicht genehm ist. Und noch schlimmer, jemand der es wagt, die Kompetenz der Kämmerlinge infrage zu stellen. Da bleibt man doch besser unter sich und kann so die Abstimmungsergebnisse besser vorhersagen.

Zudem, selbst wenn es jemand schafft, die erforderlichen Stimmen zusammenzubekommen: Warum soll eine Pflegekraft diese Person wählen? Möglicherweise hat sie die Stimmen ja nur zusammenbekommen, weil sie Freunde bei den selbst ernannten Pflegevertretern hat. Oder die Person ist mir unsympathisch, oder sie hört sich zu gerne reden. Man kann sich des Verdachts nicht erwehren, dass in den bereits bestehenden Kammern viele „Profilneurotiker“ therapiert werden. Ich wähle doch niemanden den ich nicht einschätzen kann bzw. jemanden den ich überhaupt nicht kenne. Gut, dass macht man bei einer politischen Wahl eigentlich auch nicht. Man glaubt nur, die Personen zu kennen.

Woher will ich den erkennen, ob der am Wohlergehen des Pflegeberufes ach so begeisterte, nicht eher an seinem persönlichen Wohlergehen interessiert ist. Für die Leute, die sich hier eine Kammer haben einrichten lassen, ist es da besser, wenn man die Unterschriften einfach im eigenen Zwangskammergutfinderverband einsammelt. Krawattenhalter A unterschreibt für Hosenanzug B und umgekehrt. Da kommen genug Stimmen zusammen, um die eigenen Leute ins eigene Gremium zu setzen. Zudem kann man dann sicher sein, dass man die passenden Personen auf dem richtigen Posten hat. Schließlich will man ja das Luxusgehalt, Pensionen, Dienstwagen usw. nicht irgendjemanden zukommen lassen. Nein, nein, dass soll schon in die eigene Tasche gehen. Ohne Kritiker. Der Pöbel bleibt draußen und hat zu zahlen und zu jubeln.

Man kennt sich, man verschafft sich Posten, eine Hand wäscht die andere … Kammerleben eben. Darf man hier den Verdacht nahe legen, dass der Klüngel aus dem selbst ernannten Pflegerat diese Sitze möglichst reichlich selbst besetzen möchte, ohne das Risiko einer echten demokratischen Wahl und Entscheidung. Dass eine Person aus dem dbfk-Nord in RLP auf dem obersten Posten sitzt, lässt schon so einen Verdacht aufkommen. Natürlich werden die Kämmerlinge eine ganz hervorragende und politisch korrekte Erklärung parat haben. Aalglatt wie immer. Nur egal wie diese ausfällt, sie wird nie wirklich glaubwürdig. Das hat schon, wie man im Schwäbischen sagen würde „ein Geschmäckle“. So, als hätten die selbst ernannten Pflegerätinnen und -räte sich an die Deutschlandkarte gesetzt und die Posten und Länder bereits untereinander verteilt.