Bayern - ein demokratischer Weg

 

Motivierend, freundlich und einladend kommt die neue Vereinigung der Pflegekräfte in Bayern daher. Mit einem Slogan und einer Grundeinstellung, welche die Wut der Pflegekräfte auf ihre Landespolitiker in den anderen Bundesländern endgültig überkochen lassen dürfte. Kein Zwang, keine Zwangsbeiträge, keine zusätzlichen Belastungen für die Pflegekräfte, die deren Beruf noch unattraktiver machen. Stattdessen Freiwilligkeit, Demokratie, Nutzen, Wertschätzung.

 

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Zitat Melanie Huml

 

Das war schon eine Sensation, welche sich da in Bayern ereignete. Als erstes Bundesland wollten die Pflegeverbände dort eine Pflegekammer mit Zwang einrichten. Und jetzt wird ausgerechnet in Bayern eine Pflegevertretung eingerichtet, die auf Freiwilligkeit und demokratischer Legitimation aufbaut.

 

Solche Worte ist man eigentlich von der CSU nicht gewohnt. Eventuell liegt es daran, dass man in Bayern eine Umfrage unter den Pflegekräften nicht nur verwendet hat, um politisch bereits festgelegte Wünsche und Entscheidungen, wie in Rheinland-Pfalz, billig zur rechtfertigen. Oder beispielsweise so wie in Mecklenburg-Vorpommern, wo man in der statistischen Trickserei per Missachtung des Anstandes zur Höchstform aufgelaufen ist.

Statt nur oberflächlich nach Zustimmung und Ablehnung zu fragen, hat man sich die Details angeschaut und festgestellt: Die Pflegekräfte möchten durchaus eine berufsständische Verwaltung. Aber sie sind eben nicht mit großer Mehrheit bereit diese unter Zwang und Bedrohung lebenslang zu finanzieren.

 

Gleichzeitig bringt der Freistaat die anderen Bundesländer, die eine Kammer nur mit Zwang aufbauen, in Erklärungsnot. Kammern sind also doch als öffentlich rechtliche Körperschaften ohne Zwang möglich. Nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch. Ausreden zählen nicht mehr. Ausgerechnet die CSU, ansonsten nicht unbedingt eine Vorreiterpartei, wenn es darum geht, den Menschen Eigenverantwortung zu übertragen bzw. zuzugestehen, hat sich vom System der Zwangskammer abgewendet. Da kommen insbesondere die Verantwortlichen der Grünen und der SPD ins Schwitzen. Sind es doch diese beiden Parteien, welche Kammern, die auf Zwang, Nötigung, Einschüchterung und Erpressung aufbauen, besonders gerne installieren wollen. Gelegentlich mithilfe der CDU. Ausgerechnet die Parteien, welche sich sonst gerne als Hüter von Demokratie, Eigenverantwortung, Freiheit und Arbeitnehmernähe verkaufen.

 

Motiv Bayern: Meine-Meinung

 

Das kollektive Geheul der Funktionärsriege

 

Den Funktionären und Würdenträgern der Pflegeverbände und selbst ernannten Pflegeräten gefällt ein solches demokratisches Konstrukt natürlich nicht. Entsprechend lautstark mokieren sie sich über diese Einrichtung. Diese Personen setzen ganz auf Zwang und Bedrohung von Pflegekräften.

 

Der Arbeitgeberverband Pflege bezeichnet die Beschimpfungen der Pflegeverbände als kollektives Geheul. In diesem seltenen Fall dürften sich die angestellten Pflegekräfte durchaus der Meinung des Arbeitgeberverbandes anschließen. Denn die Funktionäre der Pflegeverbände heulen um ihre Posten und ihre Macht in einer Zwangskammer. Selbst ernannte Pflegeräte und Verbandsfunktionäre mit und ohne akademische Titel, dafür fernab der praktischen Arbeit der Pflegekräfte. In den Pflegeverbänden ist nun mal nur ein sehr kleiner Teil aus der Pflege organisiert, aber genau dieser kleine Teil maßt sich an als »Pflegeräte« über die Pflege sprechen zu wollen und fordert die Zwangskammern. Geld und Posten sind verloren gegangen. Wer hier heult, heult wegen seiner gekränkten Eitelkeit oder weil ihm leicht verdientes (sagen wir richtiger: leicht zu bekommendes) Geld verwehrt wird. Nicht weil er einen Verlust für den Berufsstand ist.

 

Die Pfälzer Zwangskämmerlinge nennen diese Vereinigung eine Mogelpackung. Diese Aussage kommt ausgerechnet von den Zwangskämmerlingen, die es (wie sich inzwischen herumgesprochen hat) nur dank politischer Tricksereien gibt. Ohne die sie dort wären, wo sie rein von ihrem Wert und Nutzen hergekommen sind. In der pflegepolitischen Bedeutungslosigkeit.

 

Kein normal denkender Mensch kommt auf die Idee, sich selbst in eine Organisation zu zwingen, die einem lebenslang Kosten aufzwingt, diese Kosten willkürlich erhöhen kann, zusätzliche Kosten und Tätigkeiten aufbrummt und einen existenziell durch Sanktionen bedrohen und vernichten kann. So etwas fordert man nur, wenn man dadurch einen ganz persönlichen monetären oder funktionellen Vorteil hat.

 

Den heulenden Funktionären hat man auf der Homepage der Staatskanzlei auch gleich die passenden Antworten parat gestellt. In elf Punkten hat man deren Angriffe Paroli geboten. Dies dürfte auch für die Politiker in den anderen Bundesländern eine Art Leitfaden sein, wie und das es ohne Zwang geht. Im letzten Punkt wurde schön beschrieben, wie die Pflegeverbände Stimmung gegen die freiwillige Kammer machen. Sie behaupten einfach, die Staatskanzlei habe die Gespräche abgebrochen. Das Argument wurde gleich entkräftet. Gleichzeitig hat man schön dargestellt, wer tatsächlich hinter den Pflegekammern steckt. Eine Frau Dr. Marliese Biederbeck (DBfK, studierte Pflegetheoretikern und Pflegewissenschaftlerin) und Frau Generaloberin Dürr (Vorstandsvorsitzende der Schwesternschaft vom Bayerischen Roten Kreuz). Erkennbar keine Personen, die tatsächlich in der Pflege am Menschen arbeiten, sondern Verwaltungskräfte und praxisferne Berufstheoretiker. Das sind genau die Personen, die eben nicht die am Menschen arbeitenden Pflegekräfte repräsentieren und schon gar nicht legitimiert sind für diese zu sprechen.Verwaltungskräfte, die glauben, mit noch mehr Verwaltung und Bürokratie könnte man irgendwelche Probleme der Pflege lösen.

 

Wie sich die Vereinigung in Bayern entwickeln wird, kann niemand so genau absehen. Auch in Bayern soll es eine Registrierung der Pflegekräfte geben. Man darf gespannt sein, wie das funktionieren wird. In jedem Fall wäre eine staatliche Stelle (z.B. über die zuständigen Ministerien) für die Pflegekräfte neutraler, als über eine Organisation in der evtl. wieder die Vorgesetzten sitzen. In Rheinland-Pfalz haben schließlich Vorgesetzte den Kammerzwang bereits verwendet, um kritische Pflegekräfte mit Kündigungsandrohungen einzuschüchtern. Wie und ob es Pflichtfortbildungen geben wird, die den Pflegekräften zusätzliche Kosten aufladen, ist noch offen.

 

Natürlich ist jetzt auch die Initiative der Pflegekräfte gefragt. Denn es gilt zu verhindern, dass wieder genau diese Personen sich in der neuen Vereinigung aufspielen, die sich bereits jetzt für so unersetzlich halten und nicht unerheblichen Schaden am Berufsstand Pflege angerichtet haben. Zwar würden diese sich selbst infrage stellen, wenn sie erst einen solche freiwillige Vereinigung ablehnen, sich dann aber selbst dort hineinsetzen. Wenn es aber um die Streicheleinheiten für das Ego oder die »Therapie der eigenen Profilneurose« geht, gerät das »Geschwätz von gestern« schnell in Vergessenheit.

 

Man muss sehr wachsam bleiben!

 

Bildnachweis: Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit und Pflege