5-10 oder 50-100 Euro im Monat?

 

Das millionenschwere Geschäftsmodell Pflichtfortbildung

 

Gerne erzählen die Pflegebürokraten, dass eine Zwangskammer die Betroffenen so um die 5-10 Euro im Monat kostet. Genauso gut könnten sie das auch gleich auf 17-33 Cent pro Tag runterrechnen. Das mag für den Dienstwagen und die Gehälter der Kammerschreibkräfte reichen. Aber nicht für die weiteren Folgen einer Zwangskammer.

Was die meisten bei dem Thema nicht auf dem Schirm haben, die Kammer soll auch das Fortbildungswesen regeln. Das bedeutet, uns Pflegekräften werden Pflichtfortbildungsstunden von der Zwangskammer vorgeschrieben. Üblicherweise ein System in dem man Punkte sammeln muss.

 

Die Fortbildungen müssen wir in unserer Freizeit erbringen und die Kosten für diese Fortbildungen müssen von uns Pflegekräften privat aufgebracht werden. Auch von Pflegekräften, die nicht im Beruf tätig sind.  Denn Kammerzwang ist Privatsache, damit hat der Arbeitgeber nichts zu tun. Im Gegenteil, wenn wir Pflegekräfte die Fortbildungen per Gesetz erbringen müssen, dann kann sich der Arbeitgeber aus diesem Bereich komplett zurückziehen und damit die gesamten Kosten direkt auf uns umlegen. Wir müssen ja die Fortbildungen machen, sonst werden wir sanktioniert. Bei dem Kostendruck im Gesundheitswesen ist es eine Frage der Zeit, bis das passiert. Die Arbeitgeber werden nur noch Fortbildungen die den eigenen Betriebsablauf betreffen durchführen.

Ein Arbeitgeber der Fortbildungen bezahlt, muss mit vielen Hundert Euro kalkulieren. Alleine für die Lohnkosten (Arbeitgeberbrutto!). Dazu kommen noch die Kosten für das eigentliche Seminar - gleich, in welcher Art es gestaltet wird. Pro Fortbildung kommen da schnell ein paar Hundert Euro pro Person zusammen. Kosten, die künftig von uns Pflegekräften selbst getragen werden müssen. Wer sich einmal die Preise für Seminare anschaut, der weiß, dass man mit 120-300 Euro pro Seminartag rechnen kann. Dazu kommen noch die Rahmenkosten z. B. für die Anreise. Anerkannt werden natürlich nur Fortbildungen, die von der Zwangskammer genehmigt sind. Bildungseinrichtungen die eine »Nähe« zur Kammer haben, können dann einen guten Schnitt machen. Bei rund 1,2 Millionen Pflegekräften in Deutschland, ist das eine Lizenz zum Geld drucken.

 

Zur Veranschaulichung: Selbst wenn pro Pflegekraft nur utopisch niedrige einhundert Euro pro Jahr in Seminarkosten investiert würden, dann sprechen wir von einem bundesweiten Volumen von 120.000.000 Euro! Tatsächlich sind die Kosten sehr viel höher. Es handelt sich um Hunderte von Millionen Euro, welche wir Pflegekräfte aufbringen müssen, um die Vorgaben zu erfüllen. Und neben den Seminarkosten fallen noch die Kosten für Fahrt ggf. Unterbringung usw. an.

Selbst wenn einige Veranstaltungen kostenlos angeboten werden, dann bleibt immer noch ein ausreichendes Volumen zum reichlich Gewinn machen übrig.

Warum wohl die Bildungseinrichtungen den Kammerzwang so toll finden?

Jetzt kann man auch verstehen, warum diese so intensiv bei ihren Schülerinnen und Schülern für Unterschriften Pro-Zwangskammer werben und sich freuen, dass diese noch unerfahren, manipulierbar und von den kommenden Prüfungen abhängig sind.

Bei den Bildungseinrichtungen hat man schon ganz große, leuchtende Eurozeichen in den Augen. Das ganze ist ein millionenschweres Geschäftsmodell mit gesetzlich garantierter Nachfrage. Ein künstlich geschaffener Markt mit garantiertem Einkommen und ohne Druck die Preise niedrig zu halten.

 

Bei kleinen Unternehmen wird es sowieso nicht möglich sein, dass der Arbeitgeber die Fortbildungen finanziert. Wenn ein Pflegedienst eine Pflegekraft einen Tag in der Woche beschäftigt, kann er kaum ein oder mehr Fortbildungstage inkl. Seminarkosten für diese Kraft aufbringen.

Wenn der Arbeitgeber die Kammerwirksame Fortbildungen durchführt, dann läuft man als Pflegekraft Gefahr, für diesen Gegenwert als geldwerten Vorteil Steuern und Sozialabgaben zahlen zu müssen. Denn nur so ist eine Steuergerechtigkeit mit den Pflegekräften herzustellen, welche die Kosten selbst tragen müssen. Kammerzwang und alles, was daraus folgt, ist ja Privatsache.

Das Argument, »das kann man doch steuerlich Absetzen«, kann hier nicht gelten. Der Betrag, den man von der »Steuer zurückbekommt«, ist im Vergleich lächerlich und ersetzt nicht einmal ansatzweise den durch die Zwangskammern verursachten Schaden. Und bei Pflegekräften wird es keine Pharmafirmen geben, welche die Seminare bezahlen. An Pflegekräften kann die Industrie nichts verdienen. Es ist an sich fragwürdig, wenn Werbeverkaufsveranstaltungen als Fortbildung anerkannt werden.

 

Wenn man diese diffusen Kosten auf den einzelnen Monat umrechnet, dann kommt man ganz schnell auf deutlich höhere monatliche Belastungen. Mit nur zwei privat zu finanzierenden und zu organisierenden Fortbildungsstunden im Monat, kann sich die Belastung locker verfünffachen oder verzehnfachen.

 

Diese Kosten haben Euch die Kammerinitiatoren ganz deutlich, offen und ehrlich genannt. Oder?